Die Zukunft der Arbeit

Frauen blicken skeptischer in die Zukunft. Und Junge fordern mehr Staat.
Authorin: Karin Mateu

Close up of hands

Nichts bleibt wie es ist. Unsere Welt verändert sich rasend schnell. Das gilt auch für unseren Arbeitsalltag. Getrieben von Digitalisierung und demografischem Wandel, geprägt durch neue Denkweisen und Einstellungen, entstehen täglich neue Jobs, Arbeitsformen und Unternehmen. Es ist eine aufregende Zeit.

Doch wie gehen wir Menschen damit um, wenn sich unsere Arbeit – ein zentraler Aspekt unseres Alltags, unserer Existenz – so massiv verändert? Was macht uns Angst und wo sehen wir Chancen? Wir haben bei Schweizerinnen und Schweizern nachgefragt – die Erkenntnisse der repräsentativen Umfrage sind überraschend.

Status Quo: 86 Prozent sind zufrieden

Es stimmt, wenn man sich am Montagmorgen im Tram oder im Zugabteil umsieht, kommt man zu einem anderen Schluss. Aber: Der Grossteil der Schweizerinnen und Schweizer ist mit seinem Job zufrieden (86 Prozent) und schätzt ihn auch als zukunftssicher ein (77 Prozent). In der Banken- und Versicherungsbranche sind die Beschäftigten sogar überdurchschnittlich zufrieden. Als Dinge, die sie schätzen, haben die Befragten ein gutes Gehalt, Flexibilität, Freiraum bei der Gestaltung ihrer Aufgaben, spannende Tätigkeiten und ein gutes Verhältnis zu den Arbeitskolleginnen und Kollegen angegeben. Auffällig ist: Lohn und Boni sind den Männern wichtiger als den Frauen. Frauen bewerten die Wichtigkeit eines guten Verhältnisses zu Kollegen, Vorgesetzten und die Anerkennung der Arbeitsleistung höher als die Männer.

Zukunftsaussichten: Frauen sind weniger zuversichtlich

Aber was bringt die Zukunft? Viele der Befragten (63 Prozent) glauben, dass es weniger Arbeitsplätze geben wird. Das steht im Widerspruch dazu, dass die allermeisten ihren eigenen Job als zukunftssicher sehen. Offenbar verdrängt man den Gedanken, der eigene Arbeitsplatz könnte wegfallen. Und nur rund die Hälfte (49 Prozent) fühlen sich selbst gut auf die Zukunft der Arbeit vorbereitet.
Vor allem Frauen, Nicht-Akademiker und Gering-Verdienende erklären, dass sie sich nicht gut vorbereitet fühlen. Sie fürchten eher, dass ihr Job in Zukunft weniger attraktiv sein wird und fühlen sich unter Druck und unsicher. Bei den Frauen glauben 51 Prozent, die Automatisierung wirke sich negativ auf die Arbeit aus. Und nur 39 Prozent der Frauen erwarten, dass sich die Digitalisierung positiv auf die Arbeitswelt niederschlägt.
Bei Männern, Akademikern und Besserverdienenden sieht das anders aus: Sie fühlen sich überdurchschnittlich gut auf die Zukunft der Arbeit vorbereitet, empfinden den Wandel als Chance und sehen sich als Mitgestalter der Zukunft der Arbeitswelt.
76 Prozent der Befragten erwarten wichtige neue Player in ihrem Jobumfeld und Alltag: Die Roboter. Das löst auch Ängste aus. Einer der Befragten erklärte: “Wenn künftig so viel von Robotern, respektive Maschinen ausgeführt wird, macht sich der Mensch selbst überflüssig.”

Wer ist verantwortlich? Staat? Unternehmen? Man selbst?

Die Verantwortung für die Zukunft der Arbeit, in der alle eine Chance haben, sieht ein grosser Teil der Befragten bei Unternehmen und Arbeitgebern (44 Prozent), rund ein Drittel wähnt den Staat in der Pflicht. Hier gibt es grosse Unterschiede bei den verschiedenen Altersgruppen. Vor allem die Jungen (16 bis 24 Jahre) weisen stark dem Staat eine zentrale Rolle zu (45 Prozent). “Dieses Resultat hat uns überrascht”, sagt Tobias Sattler, Associate Partner bei EY und zuständig für Organisations- und Kulturveränderung. “Dass die Jungen, die die Flexibilität schätzen, dann so viel Verantwortung beim Staat sehen, ist erstaunlich.” Bei den Menschen, die 55 und älter sind, sehen 23 Prozent sich selbst in der Verantwortung und nur 18 Prozent den Staat.
Für ein bedingungsloses Grundeinkommen sprechen sich 61 Prozent der Befragten, deren Job eher zukunftsunsicher ist, aus. Wenn sie ihren Job zukunftssicher glauben, schwindet die Zustimmung für das Grundeinkommen: Dann sind es noch 44 Prozent.

Forward to the future

“Veränderung ist das neue Normal”, sagt Sattler. “Wir müssen uns ständig neu erfinden, dazulernen und offen sein für neue Aufgaben. Lebenslanges Lernen, eine positive Einstellung und eine Kultur, die sich an menschlichen Bedürfnissen orientiert, sind der Schlüssel.”

Die Handlungsempfehlungen von EY:

  • Der Staat soll die richtigen Rahmenbedingungen für neue Technologien schaffen, den Dialog zwischen Wirtschaft, Gesellschaft und Politik stärker fördern. Ausserdem soll er den Rahmen für Innovationen und soziale Gerechtigkeit schaffen.
  • Die Unternehmen müssen kontinuierliche Veränderung als Norm zu etablieren. Sie sollen den Fokus auf das Mitarbeitererlebnis setzen und das lebenslange Lernen fördern.
  • Jeder und jede Einzelne muss die Einstellung ändern und auf ständiges Lernen fokussieren. Es ist wichtig, offen für Neues zu sein, keine Angst vor Veränderungen und Herausforderungen zu haben. Ausserdem soll man Jobs bewusst wechseln, um gezielt andere Perspektiven einzunehmen.