Wo Salate in den Himmel wachsen

Mehr Essen für mehr Menschen: Vertical Farming will hoch hinaus und baut platzsparend Lebensmittel an – auch in Städten. Autorin: Karin MateuEY_VerticalFarming_V3

Wasser, Nährstoffe, CO2. Dazu Licht als Antrieb. Und natürlich Platz und Zeit. Mehr braucht eine Pflanze nicht zum Gedeihen. Versuche, all diese Komponenten für die Landwirtschaft zu optimieren, haben zu einem bahnbrechenden Konzept geführt: dem Vertical Farming.

Damit soll insbesondere Platz gespart werden. Denn die Weltbevölkerung wird weiter wachsen – während die Landfläche der Erde gleich bleibt. Um die Milliarden zusätzlicher Mägen zu füllen, braucht es eine effizientere Lebensmittelproduktion.
Vertical Farming erreicht dies, indem es in die Höhe strebt: Gemüse, Früchte, Salate, Getreide werden etagenweise übereinander angebaut. Wie mehrstöckige Gewächshäuser. Mit einschneidenden Konsequenzen für den Anbau.
Denn: Wie bekommt ein Salatsprösschen genügend Licht, wenn ihm mehrere Etagen mit seinen Geschwistern wortwörtlich vor der Sonne stehen? Oder: Wie wird das Pflänzchen bewässert, wie gedüngt, wie wird es geerntet?

Pflanzen reifen schneller und nachhaltiger
Spezialisierte Unternehmen haben dafür Antworten gefunden, allen voran in Japan. So wird Sonnenlicht teils oder vollständig durch Leuchtdioden ersetzt. CO2-Gehalt und Feuchtigkeit sind reguliert, es gibt kaum Schädlinge oder Unkraut. Aus Landwirtschaft wird eine Ohne-Land-Wirtschaft: Statt aus der Erde entziehen die Wurzeln die Nährstoffe aus Steinwolle, Kokosfasern, Wasserlösungen oder gar Wasserdampf. So kriegen Tomaten, Kräuter & Co. das, was sie benötigen – nicht mehr, nicht weniger.
Das Resultat: hocheffizientes Wachstum, bei dem Pflanzen bis zu viermal schneller verzehrfertig sind. Wetterunabhängig das ganze Jahr hindurch. Und nachhaltig, weil deutlich weniger Wasser und Pestizide benötigt werden.

Urbane Landwirtschaft schafft Synergie-Potenziale
Doch Vertical Farming will nicht nur effizient sein und Platz sparen: Es macht Landwirtschaft auch zur Stadtwirtschaft. Die Anbau-Fabriken entstehen immer öfter in urbanen Gebieten. Durch kurze Distanzen landet das Indoor-Gemüse frisch und knackig in den Lebensmittelladen und Restaurants. Dies spart Transportkosten.
Das Synergie-Potenzial zwischen Stadt und Vertical Farming ist gross, wird aber noch kaum genutzt. Die Anlagen könnten etwa als innerstädtische Kompostierzentren dienen oder als Biogas-Erzeuger. Sie könnten auch in Fernwärmenetzwerke und die Wasseraufbereitung integriert werden. «Farm-Scraper» (abgeleitet vom englischen «Skyscraper» für Wolkenkratzer) sollen künftig gar gleichzeitig Nahrung und Wohnraum für Zehntausende Menschen bereitstellen.

Konsumenten entscheiden über Erfolg
Vieles ist heute noch Utopie. Egal ob Food-Fabriken oder das Urban Farming: Es handelt sich um hochtechnisierte Anlagen. Die Investitions- und Betriebskosten sind enorm; dies schlägt sich auch auf die Preise der Lebensmittel nieder.
Profitabel ist der Verkauf derzeit nur, wenn das Produkte rund 20 Prozent teurer ist als herkömmlich hergestelltes Gemüse. Schätzungen gehen davon aus, dass deshalb nur jede fünfte Vertical-Farm schwarze Zahlen schreibt.

Dies ändert sich erst, wenn Vertical Farming eine kritische Masse überschreitet: Wenn Engineering, Entwicklung und Forschung den Anlagenbau deutlich billiger machen und kostengünstigere Energie zur Verfügung steht. Auch sind wir noch weit von «Smart Cities» entfernt, in denen die Farmen sinnvoll in die Stadtplanung integriert werden.
Schliesslich stellt sich die Frage: Ist dieses «Labor-Food» überhaupt erwünscht? Heute scheuen sich viele Konsumenten noch davor. Wenn die Produkte der Stadtfabrik die hohen Ansprüche der Bevölkerung an ihre Nahrungsmittel erfüllen und sie punkto Geschmack und Nährstoffen mit dem Gemüse vom Hinterland mithalten, dürfte die Einstellung der Konsumenten positiv beeinflusst werden. Ob sich Vertical Farming in Zukunft in der Schweiz durchsetzen wird?

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Digitaltag 2018
Datum: Donnerstag, 25. Oktober 2018
Ort: Zürich Hauptbahnhof, Stand 36