Schweizer Firmen investieren weltweit am meisten in Forschung und Entwicklung

6,6 Prozent des Umsatzes investieren Schweizer Firmen durchschnittlich in Forschung und Entwicklung – das ist weltweite Spitze. Dabei investieren Pharmafirmen im Vergleich zu anderen Branchen mit Abstand am meisten.
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Weltweit haben Grosskonzerne im vergangenen Jahr ihre Innovationsbudgets kräftig aufgestockt. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (kurz F&E) der 500 grössten F&E-Investoren der Welt stiegen 2017 um sechs Prozent auf 532 Milliarden Euro. Die grosse Mehrheit der Unternehmen – 65 Prozent – investierte dabei mehr als 2016.

Die US-amerikanischen Top-Konzerne steigerten ihre Investitionen besonders stark: Um elf Prozent stiegen die Ausgaben für F&E bei den 127 US-amerikanischen Unternehmen, die sich im Ranking platzieren können. Hauptgrund für diesen starken Anstieg ist die hohe Investitionsbereitschaft der US-Digitalkonzerne: So erhöhte Amazon seine Innovationsausgaben um 41 Prozent von umgerechnet 14,3 auf 20,1 Milliarden Euro und belegt damit wie schon im Vorjahr Platz eins im Ranking der Unternehmen mit den weltweit höchsten Innovationsbudgets. Auf Platz zwei liegt unverändert die Google-Muttergesellschaft Alphabet mit 14,8 Milliarden Euro vor Samsung (13,1 Milliarden Euro) und Intel (11,6 Milliarden Euro).

Neben IT-Riesen können sich vor allem Pharmakonzerne im Top-10-Ranking platzieren. Mit Roche, Johnson & Johnson und Merck & Co sind drei Pharmakonzerne in den Top 10. Als einziges klassisches Industrieunternehmen belegt Volkswagen im Ranking den fünften Platz – der deutsche Autokonzern ist mit F&E-Ausgaben von 11,6 Milliarden Euro zugleich Europas grösster F&E-Investor. Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die die 500 börsennotierten Unternehmen mit den grössten F&E-Budgets weltweit untersucht wurden.

Digitalisierung erhöht Druck

«Weltweit steigen die Investitionen in Forschung und Entwicklung, denn ein rasanter technischer Fortschritt, immer kürzere Produktzyklen und sich rasch verändernde Verbraucherwünsche erhöhen den Druck auf Unternehmen, Innovationen zu schaffen», so Marcel Stalder, CEO von EY in der Schweiz. Hohe Innovationsausgaben führen allerdings nicht zwangsläufig zu einer tatsächlichen Steigerung der Innovationskraft und zu wegweisenden neuen Produkten, räumt Stalder ein und ergänzt: «Die Zukunft von F&E sehen wir in der verstärkten Zusammenarbeit von Ökosystemen und Netzwerken sowie der Nutzung von Big Data und Schwarmintelligenz in Unternehmen. Ein weiterhin kritischer Erfolgsfaktor für Innovation ist eine Unternehmenskultur, die Innovationen wertschätzt und das Scheitern zulässt.»

Schweizer Firmen mit der höchsten F&E-Intensität

Gemessen an der «F&E-Intensität», die durch den durchschnittlichen Anteil der F&E-Ausgaben am Gesamtumsatz ausgedrückt wird, liegt die Schweiz damit auf dem ersten Platz, gefolgt von den USA, Schweden, Deutschland, Grossbritannien, Taiwan, Japan, Frankreich, China und Südkorea. Im Geschäftsjahr 2017 betrug dieser durchschnittliche Anteil der F&E-Ausgaben am Umsatz der untersuchten Schweizer Firmen 6,6 Prozent (2016 waren es 7,1 Prozent).

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Einerseits ist die hohe F&E-Intensität der Schweizer Unternehmen erfreulich, dies festigt die Schweiz als Innovationsstandort und zeigt, dass Schweizer Unternehmen früh erkannt haben, wie wichtig Innovationen für eine langfristige internationale Wettbewerbsfähigkeit und höhere Margen sind. Andererseits verdeutlichen die Ergebnisse der Studie, dass Schweizer Firmen unter einem immensen Druck stehen, besonders hinsichtlich international ausgerichteter chinesischer Unternehmen, welche sich aktuell in rasantem Tempo zu ernst zu nehmenden Playern auf den Weltmärkten entwickeln.

Von den untersuchten 500 grössten F&E-Investoren der Welt stammen deren elf aus der Schweiz: Roche (Rang 8 von 500), Novartis (12), Nestlé (89), ABB (113), STMicroelectronics (115), TE Connectivity (174), Swisscom (266), Swatch (299), Schindler (336), LafargeHolcim (377) und Compagnie Financière Richemont SA (380). Sie investierten 2017 insgesamt 23 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung.

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Schweizer und globale Pharmaindustrie mit höchsten Investitionen

Von den 23 Milliarden Euro an Investitionen entfielen allein rund 10,2 Milliarden Euro auf Roche und rund 8 Milliarden Euro auf Novartis. Dies überrascht nicht, denn im Branchenvergleich weisen die Pharmakonzerne nach wie vor die mit Abstand höchsten F&E-Quoten auf: Insgesamt 110 Milliarden Euro investierten die 29 im Ranking vertretenen Pharmakonzerne im vergangenen Jahr in die Entwicklung neuer Produkte und Wirkstoffe. Das entspricht einem Anteil am Gesamtumsatz von 16,3 Prozent. Die Branchen «Informationstechnologie/Digital», «Gesundheitswesen», «Automobilindustrie» und «Medienwirtschaft/Entertainment» weisen ebenfalls eine hohe F&E-Intensität auf. «Diese hohen F&E-Investitionen der Pharmaunternehmen lassen sich zwar durch die hohen Ausgaben für die Entwicklung neuer Medikamente erklären. Sie zeigen aber auch, dass die Pharmabranche wohl der Wirtschaftssektor schlechthin ist, der deutlich erkannt hat, dass man ohne Innovationen keine grossen Würfe erwarten darf», sagt Paolo Prisco, EY Managing Partner Life Sciences in Switzerland.

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